LP Georg-August-Universität Göttingen

Eine Anwendung: Fourieranalyse

Eine Anwendung: Fourieranalyse

Die Fourieranalyse ist für jeden, der mit periodischen Vorgängen zu tun hat, ein wichtiges Werkzeug. Unter anderem in der Diagnostik (EKG) ist sie ein unverzichtbares Hilfsmittel, um Herzrhythmusstörungen rechtzeitig zu erkennen. Wir wollen anhand eines kleinen Beispiels herleiten, was die Quintessenz der Fourieranalyse eigentlich ist. In Abbildung 4893 erkennen Sie zwei phasenverschobene Schwingungen mit unterschiedlicher Kreisfrequenz aber gleicher Amplitude. Darunter ist die graphische Summe dieser beiden Kurven angegeben.
Die graphische Addition zweier sinusförmiger Kurven
Abb. 4893   Die graphische Addition zweier sinusförmiger Kurven
Die Summenkurve sieht schrecklich kompliziert aus. Es verwundert, dass diese Kurve nur aus den oberen beiden entstanden ist. Wir bemerken aber, dass die neue Kurve eine Eigenschaft der beiden alten mitbekommen hat: auch sie ist eine periodische Funktion! Im Umkehrschluß könnte man behaupten, dass jede periodische Kurve aus Sinuskurven zusammengesetzt ist. Dies ist der Satz von Fourier:
Jede periodische Kurve läßt sich als Summe von Sinuskurven darstellen!
Die Fourieranalyse macht genau das: Sie zerlegt (über komplizierte mathematische Algorithmen) eine beliebige periodische Funktion in die Sinusfunktionen, die diese Kurve in der Summe ergeben. Dabei reduziert sich das Verfahren im wesentlichen darauf, die Amplituden und Kreisfrequenzen der einzelnen Sinusfunktionen der Zerlegung herauszufinden.
Frequenzspektrum für die Schwingung in Abbildung 4893
Abb. 4894   Frequenzspektrum für die Schwingung in Abbildung 4893
In unserem Beispiel hättee eine Fourieranalyse ergeben, dass wir es mit zwei Sinusfunktionen zu tun haben. Eine mit der Amplitude  A_{0} und der Frequenz  \omega _{1} und eine andere mit der gleichen Amplitude  A_{0} und der doppelten Frequenz  \omega _{2}=2\cdot \omega _{1} . Dieses Ergebnis wird meist in Form eines Frequenzspektrums angegeben, wie es in Abbildung 4894 dargestellt ist. Auf der  \omega  -Achse werden die vorkommenden Kreisfrequenzen markiert (als Vielfache von  \omega _{1} ), in Ordinatenrichtung zeichnet man Linien, deren Länge ein Maß für die Amplitude der zu dem betreffenden  \omega  gehörigen Schwingung ist.
Frequenzspektrum für eine Rechteckschwingung

Abb. 7598   Frequenzspektrum für eine Rechteckschwingung   Zoom   SVG (SVG)
Dieses Frequenzspektrum war noch relativ einfach zu verstehen. Kompliziertere Schwingungen haben natürlich auch sehr viel kompliziertere Frequenzspektren. Betrachten wir das Frequenzspektrum in Abbildung 7598. Summiert man über die angegebenen Sinuskurven, dann erhält man Abbildung 7569. Man erahnt schon, warauf die Summation hinausläuft: Es entsteht eine Rechteckschwingung. Man muss nur über unendlich viele geeignete Sinusschwingungen summieren, um die kleinen "Unterschwingungen" wegzubekommen. In diesem Bild sind nur die ersten 6 Sinuskurven zusammengezählt.
Rechteck- als Summe von Sinusschwingungen

Abb. 7569   Summation über die aus der vorhergehenden Abbildung gefolgerten Sinusschwingungen   Zoom   SVG (SVG)